Sergio Guarderas González



Der Künstler wurde 1901 als Sohn eines Ecuadorianers und einer Chilenin in Santiago de Chile geboren. Als er 15 Jahre alt war, zog seine Familie nach Ecuador. Seinem kleinen Heimatland am Äquator fühlte er sich zeitlebens eng verbunden. Er begann früh zu malen und studierte schließlich Malerei an der Kunsthochschule in Quito und später in Paris. Bekannt wurde er vor allem mit seinen Ansichten der Hauptstadt Quito, was ihm den Beinamen "Pintor de Quito" ("Maler von Quito") einbrachte. Alte Kolonialhäuser mit bunten Fassaden, Innenhöfe mit sprudelnden Brunnen, enge Gassen mit Kopfsteinpflaster sowie prachtvolle Kirchen und Klöster im spanischen Barockstil waren seine Motive. Guarderas malte über acht Jahrzehnte lang, selbst im hohen Alter, und betätigte sich auch als Möbel- und Objektdesigner sowie Hochschuldozent. In den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts wirkte er an der künstlerischen Ausgestaltung der "Casa de la Cultura Ecuatoriana" ("Haus der ecuadorianischen Kultur") in Quito mit. 1940 zeigte er seine Bilder bei internationalen Ausstellungen in New York und San Francisco. Guarderas gewann zahlreiche Preise und Wettbewerbe und erhielt Auszeichnungen sowohl in Ecuador als auch in seinem Geburtsland Chile. Seine Bilder hängen in verschiedenen Museen in Ecuador, seine Heimatstadt Quito hat eine Straße nach ihm benannt.

Intensiv beschäftigte sich Guarderas auch mit der Kultur der Quechua, den im Hochland der Anden lebenden Indianern. Inspiriert durch die vielfältigen Motive der Textilien, welche die Quechua-Frauen noch heute verwenden, gestaltete er im Jahr 1933 ein Konvolut von insgesamt 71 Holzschnitten, unter denen sich Muster und Ornamente, abstrakte Formen, aber auch exotische Tiere sowie menschliche Figuren finden. Guarderas‘ Ziel war es, das Bewusstsein für die Kunst der indigenen Bevölkerung zu stärken und auch im Unterricht an ecuadorianischen Schulen bekannt zu machen und damit auch diesen Teil des künstlerischen Erbes Ecuadors für sich zu erschließen. Sergio Guarderas starb 1999 in Quito. Im Jahr 2003 erschien eine umfangreiche Biographie über sein Leben und Werk in spanischer Sprache.

Das Konvolut mit den 71 Holzschnitten ist wohl das einzige noch komplett erhalte aus einer Gesamtauflage von 10 Exemplaren. Die Druckstöcke hat Sergio Guarderas selbst geschnitten und auch die Abzüge von Hand abgezogen. Der Umschlag der Mappe ist aus dem gleichen braunen Zeichenpapier gefertigt, auf dem auch die Holzschnitte abgezogen worden sind. Sie trägt den Titel "Dibujos grabados en madera de motivos indigenas" (Holzschnitte mit indianischen Motiven), ist im Druck signiert und datiert und mit dem Erscheinungsort versehen. Zusätzlich enthält der Mappendecke eine handschriftliche Widmung des Künstlers.

Die Holzschnitte selbst sind jeweils vom Künstler handsigniert, datiert und nummeriert (meist 8/10, einige 9/10). Alle Blätter haben das gleiche Format 26 x 29 cm und sind insgesamt in sehr gutem Erhaltungszustand. Einige wenige haben leichte griffspuren. Der Mappenumschlag selbst ist knittrig spurig und hat auch deutliche Gebrauchsspuren und Einrisse, der Druckbereich des Einbandes ist davon minimal betroffen. Zum ersten Mal überhaupt werden diese Graphiken außerhalb Ecuadors gezeigt. Es dürfte auch die erste Ausstellung sein, die in Deutschland die Kunst von Sergio Guarderas zeigt.

Provenienz: Ca. 1933 oder 1934 als persönliches Geschenk mit Widmung an die Großmutter des derzeitigen Besitzers. Seither im Familienbesitz. Privatsammlung Berlin. (S.M. 2014)


Holzschnitt mit indianischem Motiv


 
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